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Hans Rothfeld hält den Festvortag
anlässlich
der Feierstunde zum 200.
Geburtstags des Freiherr vom Stein im
Jahre 1957 (aus: Feierstunde zum
Gedächtnis des 200. Geburtstages des
Freiherrn vom Stein in der Kongreßhalle
Berlin am 26. Oktober 1957.)
Die Gründung
Vorbereitende Gespräche zur Gründung einer Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft fanden schon 1948 und 1949 auf Schloss Cappenberg statt, das dem Grafen Albrecht von Kanitz, einem Ur-Ur-Enkel des Freiherrn vom Stein gehörte. Ab 1950 erweiterte sich der Kreis der "Gründerväter" auch auf jüngere Vertreter aus jenen Berufen und Fachrichtungen, in denen sich die Steinschen Reformen besonders ausgewirkt haben, d.h. aus der kommunalen und staatlichen Verwaltung, dem Bergbau, der Landwirtschaft und der Wissenschaft.
Die Motive, die letztlich für die Gründung der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft im Jahr 1952 in Essen ausschlaggebend waren, hat der erste Präsident der Gesellschaft, Oberbergrat a.D. Theo Keyser, wie folgt beschrieben: "Wir wollten helfen, um unser Volk nach beispiellosem Niedergang wieder auf einen Weg zu führen, der seinen großen geistigen und sittlichen Leistungen in der Geschichte entspricht. Wir meinten, dass vor allem gegen die so naheliegende Versuchung zum reinen Materialismus nach all den schweren Jahren ein Gegengewicht geschaffen werden müsste. Dieses Gewicht sollte wesentlich in der Pflege von Geist und Charakter gefunden werden. Der Freiherr vom Stein schien uns der Mann zu sein, der am ehesten unter den großen Staatsmännern als Vorbild dienen konnte und der wegen seiner beispielhaften Haltung zu Lebensfragen unseres Volkes von allen, unabhängig von Partei und Konfession, hoch geachtet wurde. Stein hat durch seine Reformen und vor allem durch sein persönliches Wirken die Kräfte der Freiheit und der Verantwortung belebt. Er wusste, dass überbetonte individuelle Freiheit zum schrankenlosen Egoismus ausarten kann, und dass nur die Verbindung von Freiheit und Verantwortung die Sicherheit der Existenz unseres Volkes und dessen glückliche Zukunft verspricht."
Es war also eine Haltung staatstragender Verantwortungspädagogik, die die Aktivitäten der Gesellschaft in den Anfangsjahren maßgeblich bestimmte. Erst seit Ende der 1960er Jahre begannen sich die thematische Ausrichtung und Orientierung der FVSG allmählich zu verändern. Jetzt rückten auf den Veranstaltungen neben den klassischen Fragen der Politik- und Verwaltungskontinuität auch Themen wie "Demokratisierung" und "Bürgerbeteiligung" in den Vordergrund, die größere Relevanz für die kommunale Ebene besaßen und kontrovers diskutiert wurden. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der Gesellschaft erhielten dadurch langfristig größeres Gewicht.
